Showdown auf der Meilerplatte

Eigentlich hätte es auch eine Szene aus einem Neo-Western sein können: 16 überwiegend unerschrockene Köhlerinnen und Köhler und exakt 7 völlig unerschreckende Schubkarren standen – im Morgengrauen, mit unter die Haarspitzen einschießendem Adrenalin und gaaaaanz tiefhängenden, nervös zuckenden Fingerchen –zwar nur einem einzigen, immerhin jedoch tiefschwarzen, erwartungsgemäß ziemlich kalten, aber vermutlich doch mit üblen Überraschungen im Innnern gespickten Monster-Meiler-Hügel gegenüber.

 

John Wayne läßt herzlich grüßen.

 

Es war aber schließlich (nur) unser aller Förster Oliver Müller, der relativ cool und gänzlich ohne Spezialbewaffnung dem mit den Stiefeln und Arbeitsschuhen bereits nervös scharrenden Ausräum-Trupp das Spannung lösende Zeichen zum Ausräumen gab – und daraufhin ein Neun-Stunden-Spektakel in Gang setzte, das mit Hilfe der zuvor gewerkschaftlich, aber streiklos vereinbarten Pausen-Zeiten für schnelle Nahrungsaufnahme, ausreichenden Flüssigkeitsnachschub und die allzumenschlichen Gegenteile davon doch noch zu einem unfallfreien und psychisch überwiegend unbelasteten Ende gelangte.

(Burn-Outs wurden bis heute nur vereinzelt gemeldet. Bißchen Schwund ist eben immer.)

 

Einem Ameisenhügel gleich, aber mit gegenteiligem Effekt (Ameisen bauen auf, Köhler bauen ab...), änderte der Meiler von Stund’ zu Stund’ seine finstere Gestalt, wehrte sich zeit- und phasenweise durch kleine E-Klige Glutnester und E-Zigaretten imitierende Dampf-Schwaden, wurde aber am Ende doch von dem bis aufs Äußerste und stets zu allem allzeit bereiten hochmobilen Ausräum-Kommando bis auf die Grundfeste niedergerungen.

 

Hilfreich hierfür in diesem Jahr war wieder einmal der Einsatz ultramodernster Durchhalte-Techniken auf der Seite der MENSCHEN: diesmal Nano-Partikel abweisende 3 D-Atemmasken (oder so ähnlich...), die bei den Zuschauern, Zuhörern und Mitriechern irgendwie ein seltsam vertrautes chinesisches Smog- und japanisches Reaktorunfall-Gefühl aufkeimen ließen, hochsensitive Handschuhe, die in Bruchteilen von Sekunden Holzkohle von Steinkohle unterscheiden konnten, sowie eine exquisite Gulasch-Suppe und gigantisch gute Köhler-Waffeln, die sämtliche (noch) vorhandenen Geschmacksnerven und Magensäure-Restbestände wieder auf Vordermann und Vorderfrau zu bringen in der Lage waren.

 

Unter teilweise frenetischem Beifall der zahlreichen Tagesgäste und Westerwaldsteig-Streckenabschnittswanderer wurden – gewisse Jagd-Vergnügungen nachahmend – atemberaubend schnell Holzkohle-„Strecken“ gelegt, die, von einer überaus kritischen und überaus anmutigen Qualitätssicherheitsbeauftragten händisch überprüft und mündlich freigegeben, sodann, ihrer vorläufigen Bestimmung der „Einsackung“ entsprechend, in liebevoll beklebte Papiertüten („Hier ist Holzkohle drin und nix anderes!“) abgefüllt wurden.

 

Der Showdown auf der Meilerplatte endete – ganz traditionell und völlig unblutig – mit einem Abschlussfoto (fast) aller aktiv Beteiligten auf der nunmehr meilerlosen Meilerplatte und natürlich mit einer allseits beliebten ersten Aufräum-Aktivität, um Waldschnepfen, Wüsten-Rennmäusen, Wildschweinchen und Rehböckchen so schnell wie möglich wieder ein kuscheliges und menschenloses Heimatgefühl im tiefen und im hohen Westerwald zu vermitteln.

 

Ach ja, bitte notieren: in 2016 wird der 10. Kohlenmeiler errichtet. Dazu könnte man/frau sich ja vielleicht mal was zutiefst Feierliches überlegen – Smoking als Köhler-Outfit? Stöckels auf der Meilerkuppe? 10 gemeinsame Nachtschichten von Krawatte tragenden Verbands- und Ortsbürgermeistern? Förster und Försterin 14 Tage in Weißgrün? Tofu-Gulasch? Befeuchtung des Meilers mit Riesling? Rauchgas-gefüllte Luftballons? Eintrittskarten im Vorverkauf?

 

Die „Kohlenmeiler Rheinbrohl“-Homepage-Redaktion nimmt kreative und wohlmeinende Anregungen gerne entgegen!