Seife für die Seele, Sahne fürs Gemüt...

Der Winter 2015 meinte es diesmal gut mit den aktiven Köhlerinnen und Köhlern, die sich am Freitag, dem 23. Januar, gegen Abend in der Turnerhütte „Wilhelmsruh“ am Rand des Rheinbrohler Limes-Grabens zum diesjährigen „Gemütlichen“ versammelten: gerade so viel Kälte wie nötig, um die Anfahrt in den bereits dunklen Tann ohne Schleuderkurs und ohne Schlammschlacht absolvieren zu können.

 

55 waren geladen – und die trudelten mit ein wenig zeitlichem Abstand voneinander auch so ziemlich vollzählig (und vollständig) ein. Feuerkorb und Köhlerfeuer vor der Hütte erinnerten sogleich an rauchigere Zeiten im Mai und Juni 2014, das im Hütteneingangsbereich aufgebaute Buffet sprach die menschheitsgeschichtlich tiefer liegenden Erinnerungsschichten mit Wohlgerüchen aus der heimischen Waidwerk-Küche an und das leise Klirren von Gläsern, begleitet vom zarten Knacken freundschaftlich miteinander kollidierender Salzbrezel-Chips-Fischli-Gemische auf den Tischen im gutgeheizten Turnerhüttensaal, gemahnte die Feiertruppe zur innersten Einkehr und äußersten Entspannung.

 

Mit sorgfältig überlegten und ebenso gesetzten Worten begrüßte Franz Josef H. die durchaus adrett gekleideten und ausnahmslos wohlriechenden Schwarz-Arbeiterinnen und -Arbeiter im Raum und gab sodann einen launigen ersten Überblicks-Bericht über Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der Rheinbrohler Köhlerei von April 2014 bis Januar 2015.

Er erklärte alsbald den im Verlauf seiner kurzen Ansprache immer unruhiger werdenden Anwesenden - sozusagen aus Selbstschutz – das Buffet für eröffnet und musste dann fassungslos mitansehen, dass dies keineswegs als Scherz, sondern für bare Münze genommen wurde.

 

Nachdem vom durchaus reichhaltigen und äußerst schmackhaften Buffet in allerkürzester Zeit nichts als dunkel eingefärbte Tischdecken und merkwürdig abgearbeitet anmutende Teller übriggeblieben waren, besann sich die Festgemeinschaft auf einen anderen Zweck der Zusammenkunft: den gemeinsamen Gedanken- und Erfahrungsaustausch und das zügige Austrocknen der von Zeit zu Zeit heftig beschlagen wirkenden Weingläser und Bierfläschchen.

 

Alfons R., im wirklichen Leben Dichter, Denker und Archivar, berichtete hochemotional, frisch geduscht und keineswegs unkritisch über das letztjährige fulminante Werden und stolze Vergehen des 8. Kohlenmeilers; Carla W. zeichnete den Mut und die Tapferkeit eines weiblichen Köhler-Einsatz-Kommandos am 06. Juni 2014 mit erlesenen Pralinen aus; Prinz Jürgen IV. von und zu Huennije gestand ein ganz privates Kettensägenmassaker in der heimischen Wohnstube; das nachhaltige, aber nicht nachtragende Logistik-Team des alljährlichen Meiler-Events wurde von Werner „The Rock“ R. für außergewöhnlich erfolgreiche Arbeit vor, hinter und neben den Kulissen mit einer Heuhotel-Übernachtung (ohne Einsatz von E-Zigaretten) ausgezeichnet; die Poetin Carla W. konnte in wohlgesetzten Reimen schlüssig nachweisen, dass Kohlenmeiler ohne Köhlerinnen wie Erdbeertorte ohne Erdbeeren sind; selbstgebastelte Ganzjahres- und Ganzkörper-Kalender fanden Begeisterung heuchelnde Abnehmerinnen und Abnehmer (also Leute, die sich gerade in einer Diät befinden); der Schriftführer der Köhlergemeinschaft, U. vom Einsiedlerhof, wurde für den nächtelangen Einsatz überlanger Sätze mit einem überlangen Zollstock bedacht und FJ H. hatte wahrlich Wundersames von Reisen mit der Deutschen Bahn zu berichten, die aber auch überhaupt garnix mit dem Meiler zu tun hatten – aber echte Schenkelklopfer darstellten. Zum guten Schluss – und der Rest-Konzentrationsbereitschaft der Anwesenden angepasst – wurden noch einige bunte und teilweise bewegte (und auch irgendwie bewegende) Bilder mit recht einfachen Texten in Sprechblasen gezeigt, um das für Außenstehende doch ziemlich verwirrende Treiben während der gesamten Meiler-Saison 2014 halbwegs detailgetreu und gnadenlos ungeschminkt für die Nachwelt zu dokumentieren.

 

Völlig unerwartet endete der „Gemütliche“ zu weit fortgeschrittener Stunde total harmonisch, wenig lautstark und gänzlich ohne Brandblasen und Schnitzwunden – fröhlich, ja nachgerade entrückt dreinblickende Rest-Gesellinnen und -Gesellen zurrten ein letztes Mal energisch ihre Schnürsenkel fest, um sodann mit raumgreifenden, z.T. auch tänzelnden Schritten bergschuhbewehrt und leise pfeifend (Lunge?) zu Tal zu wandern. (Auch Fahrradfahren mit in Riesling getauchten Reifen ist nämlich neuerdings wohl verboten.)

 

Das Auf- und Wegräumen am nächsten Tag wurde standesgemäß begleitet von einer verhaltenen Schneekatastrophe am Limes und war auch ganz nett.

 

Fazit: Wenn das nicht gefetzt hat, ist Bacchus eine Milchschnitte...